Seife selber zu machen ist einer der wirkungsvollsten Schritte hin zu einer müllärmeren Körperpflege. Feste Seifen kommen mit wenig oder ganz ohne Verpackung aus – und wer sie selbst herstellt, entscheidet außerdem über Inhaltsstoffe, Duft und Pflegewirkung.
Ob vegan, palmölfrei oder besonders mild: Beim Seifensieden entsteht ein Produkt, das genau zu den eigenen Bedürfnissen passt.
In diesem Guide erfährst du alles Wichtige rund ums Seife selber machen im Kaltverfahren – von den Vorteilen über Sicherheitshinweise bis zur detaillierten Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Warum Seife selber machen?
Viele handelsübliche Seifen enthalten Palmöl, tierische Fette, synthetische Duftstoffe oder unnötige Zusatzstoffe. Auch „Naturseifen“ sind nicht automatisch nachhaltig oder hautfreundlich.
Wenn du Seife selber machst, hast du volle Kontrolle über:
- verwendete Öle und Fette
- Überfettung (Pflegegrad)
- Duftstoffe und Zusätze
- Herkunft und Qualität der Rohstoffe
- Gleichzeitig reduzierst du Verpackungsmüll und kannst deine Körperpflege bewusst gestalten.
Das Seifensieden erfordert etwas Übung – ist aber kein Hexenwerk. Mit einfachen Rezepten gelingen auch Einsteiger:innen stabile, pflegende Seifen.
Tipp: Starte bewusst mit kleinen Mengen. So lernst du den Prozess kennen und vermeidest unnötige Verschwendung.
Seife selber machen: 5 Tipps für Anfänger:innen
1. Einfach starten
Beginne mit Rezepten mit wenigen Ölen. Je komplexer die Fettmischung, desto anspruchsvoller wird Temperaturführung und Verseifung.
2. Kleine Mengen sieden
Weniger Zutaten, weniger Risiko. Gerade am Anfang spart das Ressourcen und Nerven.
3. Online-Seifenrechner nutzen
Jedes Öl hat einen anderen Verseifungswert. Seifenrechner helfen dir, Laugenmenge und Überfettung korrekt zu berechnen.
4. Zeit einplanen
Seife machen braucht Ruhe. Plane etwa 1–1,5 Stunden für einen Durchgang ein.
5. Eigene Utensilien verwenden
Alles, was mit Lauge in Kontakt kommt, sollte nicht mehr für Lebensmittel genutzt werden.
Was brauche ich zum Seifensieden?
Grundausstattung
- Schutzbrille
- Gummihandschuhe
- Atemschutzmaske
- Edelstahlkasserolle mit Ausguss
- Stabmixer
- Präzisionswaage
- Küchenthermometer
- Hitzebeständiger Glas-Messbecher (z. B. Pyrex)
- Edelstahllöffel & Silikonspatel
- Silikon-Seifenformen
Zutaten
- Natriumhydroxid (NaOH)
- Wasser
- Pflanzliche Öle & Fette
- Ätherische Öle (optional)
- Zusätze wie Kräuter, Blüten, Kaffeesatz (optional
Sicherheit beim Seife machen: 6 unverzichtbare Regeln
Beim Seifensieden arbeitest du mit Natronlauge (NaOH) – sie ist stark ätzend. Sicherheit ist kein Extra, sondern Voraussetzung.
Die wichtigsten Regeln:
-
Immer Schutzkleidung tragen (Handschuhe, Brille, lange Kleidung)
-
Lauge gut belüftet anrühren – idealerweise draußen. rage dabei trotzdem eine Atemschutzmaske, halte den Atem an und atme die entstehenden Dämpfe keinesfalls ein. Wenn du die Lauge in einem Innenraum anrührst, platziere das Gefäß unter der eingeschalteten Dunstabzugshaube und öffne zusätzlich ein Fenster. Verwende für das Anrühren der Lauge ein geeignetes, hitzebeständiges Gefäß, da es beim Kontakt von NaOH mit Wasser zu einem raschen Temperaturanstieg kommt. Verlasse nach dem Anrühren der Lauge den Raum, um die entstehenden Dämpfe keinesfalls einzuatmen und lüfte gut durch.
-
NaOH immer ins Wasser geben, nie umgekehrt. Die Lauge könnte durch den raschen Temperaturanstieg sonst aus dem Behälter eruptieren.
-
Arbeitsflächen frei halten & abdecken. Breite ein altes Handtuch oder Zeitungspapier auf alle Flächen, um sie vor Laugenspritzern zu schützen. Stelle die Lauge nach dem Anrühren am besten ins Abwaschbecken. Sollte der Behälter umkippen, reinigt die Laugenflüssigkeit lediglich deinen Abfluss und es entsteht kein größerer Schaden.
-
Kinder & Haustiere fernhalten
-
Bei Hautkontakt sofort gründlich mit Wasser spülen und ärztlichen Rat einholen
Hinweis: Seife ohne Lauge ist nur mit fertiger Glycerin- oder Kernseife möglich. Für echte Seife ist Lauge unverzichtbar.
Video-Anleitung: Ringelblumenseife
Seife selber machen im Kaltverfahren – Schritt für Schritt
1. Vorbereitung
Arbeitsfläche freiräumen, Schutzkleidung anziehen, Utensilien bereitlegen, Kinder und Haustiere raus!
2. Seifenformen vorbereiten
Koche deine Seifenformen für mindestens zehn Minuten in siedendem Wasser aus und stelle sie auf einer Unterlage bereit, wo du sie im Idealfall auch gleich für mindestens 24 Stunden zum Trocknen stehen lassen kannst. Halte Karton zum Abdecken und einige alte Handtücher bereit.
3. Öle & Fette abwiegen
Danach feste Fette sanft schmelzen.
4. NaOH exakt abwiegen
Unter guter Belüftung, Staub nicht einatmen. Verschüttete Kristalle gut abwischen.
5. Lauge anrühren
NaOH langsam ins kalte Wasser geben, rühren, Temperatur messen und gegebenenfalls etwas abkühlen lassen.
7. Lauge und Öle vermischen
Mit dem Silikonspatel langsam die Lauge in die Öle einrühren. Langsam von Hand weiter rühren, bis sich Lauge und Öle vollständig vermischt haben.
8. Verseifung starten
Kurz mit dem Stabmixer pürieren, bis der Seifenleim „zeichnet“, d.h. dass der Leim eine kleine Spur zieht, die nicht sofort wieder zerläuft. Mixe mit Bedacht und für maximal eine Minute. Dazwischen prüfe immer wieder mit dem Silikonspatel die Konsistenz des Seifenleims und rühre von Hand weiter. Denn: Die Seifenmischungen dicken unterschiedlich rasch ein. Wenn du zu lange pürierst, wird der Seifenleim zu schnell dickflüssig und das Abfüllen in die Formen wird schwieriger.
9. Zusätze einarbeiten
Düfte, Farben oder Kräuter vorsichtig unterheben.
10. In Formen füllen
Seifenleim in die vorbereiteten Formen gießen. Mit dem Karton abdecken und die alten Handtücher oder Decken darüberlegen. Die Seife ruht jetzt für mindestens 24 Stunden in ihrer Form (= Gelphase).
11. Reinigen
Utensilien mit Handschuhen gründlich reinigen.
12. Schneiden & reifen lassen
Nach 24–48 Stunden ausformen.
Reifezeit: 4–6 Wochen an einem luftigen, trockenen Ort.
Häufige Fragen
Was braucht man, um Seife selber zu machen?
Um Seifen mittles Kaltverfahren selbst herzustellen, brauchst du eine Grundausrüstung. Dazu gehören eine Edelstahlkasserolle, ein Pürierstab, eine Präzisionswaage, Küchenthermometer, Messbecher aus hitzebeständigem Glas, Edelstahllöffel, Seifenformen und Silikonspatel. Ebenso wichtig ist die Schutzausrüstung, da du mit einer Lauge aus NaOH arbeitest: Gummihandschuhe, Schutzbrille, langärmelige Kleidung und Mund-Nasen-Schutz. Für die Seife selbst brauchst du die passenden Fette und Öle, NaOH, Wasser und Dufstoffe.
Warum muss Seife reifen?
Damit überschüssige Lauge vollständig reagiert und die Seife mild wird.
Wie lange hält selbstgemachte Seife?
Mehrere Jahre – kühl und trocken gelagert.
Was ist die Gelphase?
Eine Wärmephase während der Verseifung, die Farbe und Struktur beeinflusst.
Kann man Seife ohne Lauge machen?
Nur mit fertiger Seifenbasis – nicht vollständig von Grund auf.


